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Der Zimmersbrunnen mit der Linde vor dem Steintor in Bad Sooden-Allendorf
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Am Brunnen vor dem Tore

Ist Wilhelm Müller hier auf sein Gedicht gekommen? Das ist die Frage dieser Seite — und die Antwort vorweg: abschließend beweisen lässt es sich nicht, widerlegen aber auch nicht. Was dagegen genau zu sagen ist: was an diesem Platz stand, als das Gedicht gedruckt wurde, was erst später dazukam, und wann die Geschichte in die Welt kam. Eine Prüfung mit allen Quellen, die wir erreichen konnten.

Der Zimmersbrunnen mit der Linde, dahinter der Torbogen. Foto: Heinz K. S., 2019 · Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0 · Alle Bildnachweise

Vor der Allendorfer Altstadt, am Beginn der Rothesteinstraße, stehen eine Linde und der Zimmersbrunnen, in Sichtweite das Steintor. Das Ensemble ist als Kulturdenkmal geschützt, weil es ein Idealbild der deutschen Romantik beispielhaft zeigt.1 Eine Bronzetafel in der Brunnensäule behauptet darüber hinaus, Wilhelm Müller sei „durch dieses Motiv von Brunnen und Linde zu seinem Gedicht angeregt" worden.2 Das ist der Anspruch der Stadt. Diese Seite prüft ihn — Satz für Satz, mit Nachweis.

Die Frage, und was von ihr zu entscheiden ist

Gefragt ist: Hat Wilhelm Müller das Motiv seines Gedichts Der Lindenbaum — Brunnen, Tor, Linde — an diesem Platz im heutigen Bad Sooden-Allendorf gefunden?

Die Antwort, so ehrlich wie sie zu haben ist: Das lässt sich nicht abschließend beweisen und nicht widerlegen. Es gibt keinen Beleg dafür, dass Müller je hier war — und keinen dafür, dass er es nicht war. Wer eine der beiden Antworten als gesichert ausgibt, behauptet mehr, als die Quellen hergeben.

Entscheidbar sind dagegen Einzelfragen: Was stand 1823 an diesem Platz? Wann taucht die Zuschreibung zuerst auf? Lag der Ort an einer Straße, die Müller benutzt haben könnte? Was steht in seinen Tagebüchern?

Wie wir arbeiten

Wir sind ein Heimatverein, keine Universität. Wir sagen bei jedem Satz, woher er kommt, und benennen die Lücken, statt sie zu füllen; was wir nur aus dem Nachweisapparat eines anderen kennen, heißt „zitiert nach". Am Ende stehen vier Stufen: bezeugt, erschlossen, nicht belegt, nicht widerlegt.

Das Lied, und was aus ihm wurde

Das Gedicht heißt nicht „Am Brunnen vor dem Tore". Es heißt „Der Lindenbaum"; die Anfangszeile hat den Titel erst im Volksmund verdrängt.3 Geschrieben hat es Wilhelm Müller (Dessau, 7. Oktober 1794 – 30. September 1827).4 Gedruckt wurde es 1823 in Urania. Taschenbuch auf das Jahr 1823 bei Brockhaus in Leipzig, als fünftes von zwölf Gedichten der Winterreise;5 1824 erweiterte Müller den Zyklus auf 24 Gedichte.6

Eine Jahreszahl, auf die es ankommt

Taschenbücher „auf das Jahr X" erschienen üblicherweise im Herbst des Vorjahres. Das Gedicht dürfte demnach spätestens Mitte 1822 fertig gewesen sein; das genaue Ausgabedatum dieses Bandes ist uns nicht bekannt. Wir rechnen mit 1822/23.

Was der Lindenbaum im Zyklus bedeutet. Wer das Lied aus der Schule kennt, kennt eine Idylle. Im Zyklus ist es das Gegenteil: Der Wanderer flieht nachts aus der Stadt, und der Baum ruft ihm nach, er fände dort Ruhe — in der Winterreise mit ihren Todessymbolen die Verlockung, die Lebenswanderung abzubrechen. Er widersteht und geht weiter.3

Schubert 1827. Franz Schubert vertonte den Zyklus 1827 als Winterreise D 911, den zweiten Teil wenige Wochen nach Müllers Tod; der Erstdruck erschien 1828.8 Er behielt die Reihenfolge der zwölf Urania-Gedichte bei; „Der Lindenbaum" ist deshalb bei ihm wie bei Müller das fünfte Lied, Nummer 5. Nur die zwölf 1824 hinzugekommenen Gedichte hängte er als zweiten Teil an; dort weicht seine Abfolge von Müllers endgültiger Anordnung ab — den Lindenbaum betrifft das nicht.8

Silcher 1846. Zum Volkslied wurde das Stück erst durch Friedrich Silcher, der es 1846 „nach Franz Schubert zu einer Volksmelodie umgearbeitet" hat9 — ohne dramatischen Mittelteil, ohne Titel, mit Müllers unverändertem Text.3

Warum das hierher gehört

Das Stück, das Gesangvereine am Zimmersbrunnen singen, ist Silchers Fassung von 1846 — ein Volkslied über einen Baum. Müllers Gedicht von 1822/23 ist ein Text über den Tod. Die Legende verbindet den Ort mit dem Volkslied; prüfen muss man sie am Gedicht.

Der Ort: Tor, Brunnen, Linde

Linde, Zimmersbrunnen und Steintor liegen an einer Mehrfach-Wegekreuzung am Beginn der stadtauswärts führenden Rothesteinstraße, außerhalb der Stadtbefestigung — also buchstäblich vor dem Tore.1 Wagner zählt ihn 1865 unter dem Namen „der Plan" zu den fünf öffentlichen Plätzen der Stadt.12 Die Rothesteinstraße war bis ins 19. Jahrhundert die Straße Richtung Eschwege, bis zum Bau der heutigen Bundesstraße 27 auf der anderen Werraseite.1 Der Platz war keine Sackgasse, sondern eine Durchgangsstelle.

Brunnensäule aus Sandstein, darüber die Krone der Linde, im Hintergrund der Torbogen
Brunnen, Linde und Tor in einer Achse — so, wie die erste Liedzeile es beschreibt. Foto: Heinz-Josef Lücking, 2008 · Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0 DE · Alle Bildnachweise

Das Steintor

JahrWas geschahNachweis
MittelalterEines von drei Stadttoren; im frühen 19. Jh. Hirtenwohnung im TorbauWagner 186512
1828Der Torbau im Steinthor wird abgebrochen, mit der Hirtenwohnung.Wagner 186512
1907Die beiden stehengebliebenen Steinpfeiler werden entfernt, weil sie den Verkehr einengen.Lückert 197713
1997Ein neuer Torbogen wird errichtet, der die Lage des „ehemaligen sehr viel engeren Stadttors" nur andeutet — angeblich auch, weil japanische Reisegruppen am Brunnen das Tor vermissten.1

Der Bogen auf den heutigen Fotos ist von 1997. Das Tor, das Müller hätte sehen können, stand bis 1828 und war deutlich enger; sein Baujahr ist nicht überliefert.

Der Torbogen am Plan, eine moderne Sandsteinkonstruktion über der ganzen Straßenbreite
Der Torbogen von 1997. Er überspannt die gesamte Straßenbreite; der Torbau, den Müller hätte sehen können, war deutlich enger und stand bis 1828. Foto: Heinz K. S., 2019 · Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0 · Alle Bildnachweise

Der Brunnen

Die Quelle des Zimmersbrunnens liegt am Zinnberg und heißt historisch Zinnborn; der Brunnenname ist wohl daraus entstanden.14 Die beiden Daten, um die der Streit kreist:

  • 1827 ließ die Stadt das Wasser dieser Quelle „von besonderer Güte und Reinheit" „durch rühmliche Fürsorge […], mit einem Kostenaufwand von 496 Thaler 2 Albus 4 Heller, in Röhren bis unter die Linde vor dem Steinthor" leiten.12
  • 1854 wurde der Brunnen erneuert beziehungsweise in seiner jetzigen Gestalt errichtet, wie aus den Stadtratsprotokollen dieses Jahres hervorgehen soll.16

Röhrenleitungen zu Brunnen waren in Allendorf seit 1582 üblich; die fünfzehn öffentlichen Brunnen zählt Wagner aber ausdrücklich „in der Stadt" — über den Plan außerhalb der Mauer sagt die Zahl nichts.12

Der heutige Brunnen ist eine „einfache, pfeilerartige Anlage, bestehend aus einem Sandsteinstumpf und einem aus Messing gefertigten Auslaufrohr".2 Seine Inschrifttafel, möglicherweise 1928 im 100. Todesjahr Schuberts angebracht, lautet: „Franz Schubert komponierte sein volkstümlich gewordenes Lied im Jahre 1827 nach einem Text von Wilhelm Müller, der durch dieses Motiv von Brunnen und Linde zu seinem Gedicht angeregt wurde."2 Die Tafel formuliert im Indikativ, was unbelegt ist — das älteste greifbare Denkmal der Legende, wahrscheinlich nur sechzehn Jahre jünger als diese.

Die Linde

Am Ort des Brunnens stand eine alte Linde, nach den Beschreibungen mehrere hundert Jahre alt.1 Ein Hagelunwetter am Abend des 12. Mai 1912 brachte sie zu Fall; sie zerschlug dabei Dachziegel der benachbarten Restauration Zur grünen Linde.17

Die Linde nach 1912
DatumWas geschah
12. Mai 1912Die alte Linde stürzt im Hagelunwetter.
17. März 1913Neupflanzung „zur Erinnerung an die große Zeit vor 100 Jahren" (Aufruf „An Mein Volk", 1813).
1914Der Baum von 1913 wuchs nicht an; die Pflanzung wurde „in aller Stille" wiederholt. Die heutige Linde stammt aus diesem Jahr.
1936Die Linde wird Naturdenkmal.
heuteSommerlinde (Tilia platyphyllos), rund 26 m hoch, Stammumfang über 3 m.

Angaben nach Wikipedia: Linde am Brunnen vor dem Tore und den dort nachgewiesenen Belegen.1

Vom Alter der Vorgängerin ist nichts Sicheres bekannt. Die Presse von 1912 nannte 650 Jahre, abgeleitet aus der Vermutung, sie sei zur Stadterhebung 1218 gepflanzt worden; der Tourismus nennt heute teils 1218, teils 1229.18 Belegt ist nur, dass der Baum alt war.

Die heutige Sommerlinde über dem Brunnen, von unten gegen die Krone aufgenommen
Die heutige Linde. Gepflanzt 1913, und weil sie nicht anwuchs, 1914 noch einmal — die Nachfolgerin des gestürzten Baums. Foto: Heinz K. S., 2017 · Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0 · Alle Bildnachweise

Die Restauration „Zur grünen Linde"

Ein Gasthaus am Tor wäre ein plausibler Anlass gewesen, dort zu verweilen. Gab es die Wirtschaft schon 1823? Belegt ist nichts vor 1895, und in Wagners genauer Zählung des Schankwesens von 1865 kommt ein Gasthaus dieses Namens nicht vor.48 Das ist ein Schweigen der Quelle, kein Beweis; für 1823 ist die Wirtschaft nicht belegt. Der Name weist ohnehin in die andere Richtung: Die Wirtschaft ist nach dem Baum benannt, nicht der Baum nach ihr.

Postkarte: zweigeschossiges Gasthaus mit Schild, davor ein Baum, dahinter eine Gasse
Die Restauration „Zur Grünen Linde" mit ihrem eigenen Baum davor. Postkarte, um 1895; im Hintergrund die Gilsegasse. Postkarte um 1895, Urheber unbekannt · Wikimedia Commons · gemeinfrei · Alle Bildnachweise

Der Baum auf dieser Postkarte ist nicht ohne Weiteres der Lindenbaum des Liedes; die Karte zeigt die Wirtschaft mit ihrem Baum.

Das Schweigen des Forstbotanischen Merkbuchs

Das Forstbotanische Merkbuch. Provinz Hessen-Nassau von 1905 verzeichnet für Allendorf zwei bemerkenswerte Linden — am Hospitalbrunnen und die Daterlinde. Die Linde vor dem Steintor kommt darin nicht vor.19 Das beweist nichts über ihr Alter — es sagt etwas darüber, wie berühmt sie sieben Jahre vor 1912 war.

Was im Jahr 1823 dastand

Dies ist die Stelle, an der die meisten Darstellungen ungenau werden. Deshalb getrennt und in beide Richtungen.

Was da war

  • Das Tor. Der Torbau des Steintors wurde erst 1828 abgebrochen, fünf Jahre nach dem Druck des Gedichts, und war im frühen 19. Jahrhundert bewohnt. Müller hätte es sehen können.12
  • Die Linde. Wagner nennt sie für 1827 als selbstverständlichen Orientierungspunkt — „bis unter die Linde vor dem Steinthor" —, und der Baum, der 1912 fiel, galt als mehrere hundert Jahre alt.121 Dass er 1823 schon stand, steht in keiner Quelle, folgt aber aus beidem.
  • Der Weg. Die Rothesteinstraße am Platz war bis ins 19. Jahrhundert die Straße Richtung Eschwege, und der Platz selbst ein öffentlicher Platz außerhalb der Mauer.112
  • Der Name. Brunnen und Weg tragen den Namen der Quelle.14 Wie alt der Wegename ist, wissen wir nicht; wäre er älter als die Leitung, verbände er Quelle und Tor schon vor 1827.

Was noch nicht da war

  • Diese Wasserleitung. Das Wasser des Zimmersbrunnens kam 1827 unter die Linde.12
  • Der heutige Brunnenstock. 1854, nach den Stadtratsprotokollen.16
  • Der heutige Torbogen. 1997.1

Was offen bleibt: das Wasser vor 1827

„1827 wurde Wasser bis unter die Linde geleitet" sagt, was 1827 hinzukam — nicht, was vorher dort war: eine Stelle, an der schon Wasser geholt wurde, oder ein bis dahin trockener Platz. Die Angabe von 1854, der Brunnen sei „erneuert beziehungsweise in seiner jetzigen Gestalt errichtet" worden, lässt dieselbe Frage offen: „erneuert" setzt einen Vorgänger voraus, „errichtet" nicht. Wie die Stelle vor 1827 aussah — Trog, Kump, Schöpfstelle oder gar nichts —, geben die Quellen nicht her. Weder „vorher gab es dort einen Brunnen" noch „vorher gab es dort keinen" ist belegt; mehr dazu in der Bilanz unter „nicht widerlegt".

Zwischenbilanz: Das Tor stand 1823 an diesem Platz; das ist bezeugt. Die Linde ist für 1827 bezeugt und war 1912 ein alter Baum; dass sie 1823 dort stand, ist erschlossen. Ob dort Wasser geholt wurde, ist weder belegt noch widerlegt. Zwei Elemente der ersten Liedzeile waren sicher vorhanden, das dritte ist offen; jünger ist nur die Ausstattung.

Wie die Legende entstand: Mai 1912

Am Abend des 12. Mai 1912 zog ein schweres Hagelunwetter über Mitteldeutschland;16 in Allendorf fiel die alte Linde. Fünf Tage später, in einer Kurzmeldung der Fuldaer Zeitung vom 17. Mai 1912, wurde wohl zum ersten Mal behauptet, die Allendorfer „Zimmerslinde" vor dem Steintor sei jene Linde, die Wilhelm Müller zu seinem Gedicht inspiriert habe.16 Die Vossische Zeitung übernahm die Meldung, von dort wurde sie nachgedruckt bis nach Prag, Wien und Graz.16 Die Gartenlaube brachte ein Foto des gestürzten Baumes,20 und einige Gesangvereine ließen sich Holzstücke vom Stamm schicken.1

Vor 1912 ist die Verbindung nirgends belegt. Sie entsteht in dem Moment, in dem der Baum umfällt, und wird durch den überregionalen Druck zur Tatsache — der einzige Punkt in dieser Sache, den man datieren kann wie eine Urkunde.

Schwarzweißfoto der entwurzelten Linde, der Stamm liegt quer über dem Platz
Die gestürzte Linde, Mai 1912. Das Bild, das die Geschichte in Umlauf brachte. Postkarte 1912, Urheber unbekannt · Wikipedia · gemeinfrei · Alle Bildnachweise

Der Einwand von 1912

Am 26. Mai 1912, vierzehn Tage nach dem Sturz, veröffentlichte die Allendorfer Lokalzeitung, der Werra-Bote, ein Dementi: Falls Müller seinen „Lindenbaum" tatsächlich in Allendorf geschrieben haben sollte, komme die „sogenannte Zimmerslinde" als Inspirationsquelle nicht infrage, weil „zu der Zeit, als das Lied entstand, ein Brunnen unter dieser Linde noch nicht quoll".22 Das Dementi wurde nachgedruckt, konnte aber „gegen die attraktive Zuschreibung an Wilhelm Müller nichts ausrichten".16

Das ist ein ernstzunehmender Einwand: früh, aus dem Ort selbst, und in der Sache übereinstimmend mit Wagner, der die Zuleitung des Wassers auf 1827 datiert.12 Was man ihm redlich entgegenhalten kann, ist begrenzt: Es ist eine Aussage von 1912 über das Jahr 1823, ohne Quellenangabe; sie betrifft die Zimmerslinde, nicht den Platz, und ob dort vor 1827 anders Wasser geholt wurde, sagt sie nicht — Wagner allerdings auch nicht. Und sie entscheidet die Frage der Seite nicht: Ob Müller hier war, hängt nicht an einer Rohrleitung. Bemerkenswert bleibt: Die Legende hat sich nicht gegen Unkenntnis durchgesetzt, sondern gegen einen frühen Widerspruch aus dem Ort selbst.

Wer die Geschichte weitergetragen hat

Otto Erich Deutsch, 1913 bis 1917

Der Wiener Schubert-Forscher Otto Erich Deutsch bekämpfte den Anspruch der Höldrichsmühle bei Wien (dazu der nächste Abschnitt), nicht zuletzt mit dem Argument, dass der Text nicht von Schubert stammt, sondern von Müller.23 Nur stützte er stattdessen Allendorf: 1913 druckte er ein Foto der gefallenen Linde als „Der Lindenbaum Wilhelm Müllers […] in Allendorf a. d. Werra",24 und 1915 und 1917 schrieb er, die „echte Linde für dieses Stück" habe in Allendorf gestanden: „Dort hat nämlich der Dichter den ‚Lindenbaum' geschrieben, den Schubert ohne jede Lokalkenntnis so gut komponiert hat."25

Das Urteil der heutigen Darstellung: „Für seine Kritik an der Hinterbrühl konnte Deutsch starke Argumente vorlegen, die Angaben zu Allendorf und Wilhelm Müller begründete und belegte er hingegen nicht."1 Die Autorität, auf die sich der Allendorfer Anspruch seit über hundert Jahren stützt, ist also selbst unbelegt — und nur wenige Jahre jünger als die Zeitungsmeldung.

Jörg von Uthmann, 1979

Jörg von Uthmann schrieb 1979 in der Frankfurter Anthologie, der Handlungsort des Gedichts könne besichtigt werden: „Wilhelm Müller ließ sich von einer Linde vor dem Steintor in Bad Sooden-Allendorf inspirieren. […] Der Brunnen (mit Gedenktafel) ist dagegen noch derselbe wie zu Müllers Zeiten."26 Für den hervorgehobenen Satz gilt derselbe Maßstab wie für Deutsch: Uthmann nennt keinen Beleg, und die Quellen stehen gegen ihn — Wagner datiert die Zuleitung auf 1827, die Stadtratsprotokolle von 1854 sollen eine Erneuerung oder Neuerrichtung verzeichnen.1216

Ian Bostridge, 2015 — und heute

Der Sänger Ian Bostridge nennt den Platz in seinem Buch über die Winterreise ein „spurious original" — ein untergeschobenes Original.27 Die Stadt bewirbt den Brunnen bis heute,28 und die örtliche Grundschule heißt „Am Brunnen vor dem Tore".29

Der andere Anspruch: Hinterbrühl bei Wien

Bad Sooden-Allendorf ist nicht allein. Das Gasthaus, heute Hotel, Höldrichsmühle in der Hinterbrühl bei Wien beansprucht, Ort der Komposition Schuberts gewesen zu sein; dort gab es auch eine „Schubertlinde". Der Anspruch ist älter als der Allendorfer — er bestand schon, als 1912 die Allendorfer Meldung erschien — und ebenso wenig belegt: „Dafür gibt es jedoch ebenfalls keinerlei Anhaltspunkte."1 Die beiden Ansprüche behaupten verschiedene Dinge — Hinterbrühl den Komponisten, 1827; Allendorf den Dichter, vor 1823 —, schließen sich nicht aus und sind beide unbelegt. Bemerkenswert ist der Ton: Die Höldrichsmühle schreibt heute, Schubert sei dort „der Legende nach" inspiriert worden;30 die Bronzetafel am Zimmersbrunnen formuliert im Indikativ.2 Der Konkurrent ist in der Sache vorsichtiger als wir.

Müllers Leben und seine Wege

Wenn ein Ort beansprucht, einen Dichter angeregt zu haben, muss man wissen, wo der Dichter gewesen ist. Für die Frage dieser Seite zählt die Zeit bis 1822/23; was danach kommt, ist knapp gehalten.

Wilhelm Müller: belegte Aufenthalte und Reisen, nach der Zeittafel der Wilhelm-Müller-Gesellschaft, der Deutschen Biographie und Zeno.org
JahrStation, RouteNachweis
1794Geboren am 7. Oktober in Dessau.4
1812Umzug nach Berlin, Immatrikulation am 3. Juli.4
1813Freiwilliger im preußischen Heer: Großgörschen, Bautzen, Haynau, Kulm; im Oktober Depot in Prag.32
1814Brüssel, Dienst in der deutschen Kommandantur. Heimreise am 18. November nach Berlin. Weder Hin- noch Rückroute sind dokumentiert.32
1815–16Berlin: Salon Stägemann, Studienabschluss. In diese Zeit fällt das Tagebuch, das 1903 gedruckt wurde.33
1817/18Ab 20. August 1817 Begleiter des Barons Albert von Sack: Wien, Triest – Venedig – Florenz – Rom, Neapel; Rückweg über Florenz, Verona, Tirol und München, im Dezember 1818 Ankunft in Dessau.432
1819–24Dessau: Hilfslehrer, ab 1820 herzoglicher Bibliothekar; Heirat am 21. Mai 1821 mit Adelheid Basedow. Reisen nach Leipzig, Dresden, Berlin; im Januar 1823 Bewerbung in Dresden.43334
1824–27Nach dem Druck des Gedichts: Quedlinburg (1824), Rügen (1825), Franzensbad und Weimar (1826), Rhein- und Schwabenreise Juli bis September 1827 mit Rückreise über Weimar. Tod am 30. September 1827 in Dessau.4323335

Die Richtung ist deutlich: Berlin, Leipzig, Dresden, Prag, Wien, Italien. Nach Westen führt vor 1823 eine Reise, der Dienst in Brüssel 1814, dessen Routen unbekannt sind. Die Reisen nach 1823 sind für die Frage dieser Seite ohne Belang — das Gedicht war gedruckt. Nur: Die Rückreise von 1827 lief über Weimar, nicht durch das Werratal;4 der Hinweg nach Frankfurt ist nirgends angegeben und könnte über Kassel geführt haben. Auch dann käme er fünf Jahre zu spät.

Und Worms? Eine örtliche Darstellung begründet den Anspruch damit, Müller sei häufig zwischen Dessau und Worms gereist. Worms wird in keiner der konsultierten Quellen genannt,4323336 und es gibt keinen erkennbaren Anlass dafür. Die Wilhelm-Müller-Gesellschaft, die Leben und Werk des Dichters erforscht, „weiß nichts von einem Aufenthalt oder auch nur einer Durchreise Müllers".1

Was in Müllers Tagebüchern steht

Hier konnten wir selbst in die Primärquelle sehen. Müllers Tagebücher und Briefe, 1903 von Allen und Hatfield herausgegeben, liegen als Digitalisat mit erkanntem Volltext im Internet Archive.38 Ergebnis der Suche: kein Treffer. Weder Allendorf noch Werra, Sooden, Eschwege, Witzenhausen, Cassel/Kassel oder Worms kommen in diesem Band vor.

Wie wir gegengeprüft haben. Der Band ist zum Teil in Fraktur gesetzt, und die Texterkennung verstümmelt sie. Deshalb haben wir zuerst nach Orten gesucht, die vorkommen müssen — Dessau 40-mal, Berlin 74, Dresden 16, Weimar 11; „Wien" dagegen nur verlesen als IDien — und dann mit den Verlesungsmustern gesucht: IDerra, Caffel, -lenborf. Auch so: nichts. Der Befund ist belastbarer, als er aussieht, denn Ortsnamen hat der Setzer in Antiqua gesetzt, und genau sie kommen sauber durch die Erkennung. Sicher ist das nicht — „Wien" stand in Fraktur.49 Die Briefe von 1826 lassen immerhin eine Reise rekonstruieren, zur Kur nach Franzensbad über Leipzig, Altenburg, Oelsnitz und zurück über Bayreuth, Nürnberg, Weimar;4935 kein hessischer Ort kommt im Band vor. Für 1822 gibt er keine Route her.

Was dieser Befund wert ist — und was nicht

Die Ausgabe von 1903 ist eine Auswahl: das Berliner Tagebuch von 1815/16, eine Auswahl von Briefen, ein Anmerkungsteil. Für die Jahre um 1822 enthält sie kein Tagebuch. Die vollständige Ausgabe — Maria-Verena Leistner (Hrsg.): Wilhelm Müller. Werke, Tagebücher, Briefe, Berlin 1994, Band 5 — ist nicht digitalisiert.39 Unser Befund heißt also: In dem gedruckten Material von 1903 steht nichts. Wer in Band 5 der Leistner-Ausgabe nachschlägt, hat das letzte Wort.

Die Straßen: lag Allendorf am Weg?

Die örtliche Darstellung behauptet, die Verbindungsstraße zwischen Dessau und Worms habe „nachweisbar" an diesem Brunnen vorbeigeführt. Zwei Fragen sind dabei auseinanderzuhalten: Lag der Ort am Verkehr? Und: Lag er an einem Weg, den Müller benutzt hat? Die erste lässt sich aus Wagner beantworten, die zweite nicht.

Historische Messtischkarte mit Allendorf, der Werra und den umliegenden Straßen und Wegen
Kurfürstenthum Hessen, Blatt Allendorf, 1857 — das Wegenetz vierunddreißig Jahre nach dem Druck des Gedichts. Kurfürstenthum Hessen, Blatt Allendorf, 1857 · Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen · Wikimedia Commons · gemeinfrei · Alle Bildnachweise

Der Ort lag am Verkehr — aus dem Salz heraus

Wagner beschreibt 1865 eine Stadt, durch die gefahren wurde:51

  • Wegegeld. „Von jedem die Stadt passirenden Frachtkarren" erhob die Stadt „zwei Heller s. g. Wegegeld" (§ 172, S. 128), dazu Wegegeld an den Werrabrücken (§ 140, S. 111). Wo Wegegeld erhoben wird, fährt jemand.
  • Salzführer. Unter den Gewerbetreibenden von 1624 stehen „6 Fuhrleute, 25 Salzführer, 6 Salzträger" und 4 Schiffer (§ 120, S. 102–104) — ein eigener Berufsstand für den Abtransport.
  • Geleit. 1583 steht „das Geleit von Allendorf auf Diezenrode auf der Oberstraße bis auf die Heiligenstädter Warte, auf der Unterstraße bis auf die Mitte des Höhebergs" den Landgrafen zu (§ 210, S. 157) — zwei Straßen ins Eichsfeld mit Geleit, das schutzbedürftigen Durchgangsverkehr voraussetzt.
  • Stapelrecht 1649. Fruchtschiffe mussten einen halben Tag feilhalten, Kaufmannsgüter für Gegend und Eichsfeld hier „ausgeladen und per Axe weiter geführt werden" (§ 174, S. 130). Das ist Flussverkehr — und Allendorf der Umschlagplatz vom Schiff auf die Straße.
  • Fernhandel zu Müllers Lebzeiten. „Noch im Anfang dieses Jahrhunderts" wurde „ein lebhafter Speditionshandel" mit „Bremer Waaren" betrieben, „welche zu Schiff von Münden herauf gebracht und von hier theils zu Schiff nach Wannfried, theils per Achse nach Gemünden am Main geführt wurden" (§ 212, S. 158).
  • Post. Die Erfurter reitende Post kam zweimal wöchentlich „von Kassel über Wizenhausen hier an und geht sodann über Eschwege, Wanfried und Mühlhausen nach Erfurt"; Diligencen Witzenhausen–Wanfried gab es seit „den 1820er Jahren" (§ 154, S. 119).

Dazu zwei Dinge, die der Verein zu Recht anführt. Erstens war das Werratal im Dreißigjährigen Krieg Heerstraße: Wallenstein zog 1625 „von Schweinfurt her, an der Werra herunter" über Eschwege nach Allendorf und Witzenhausen, Tilly überschritt 1626 „bei Allendorf und Eschwege die Werra" (§ 64, S. 55 ff.).51 Heere nehmen Wege, die es gibt. Zweitens die Geographie: Die Rothesteinstraße am Brunnen war die Straße nach Eschwege,1 die Talstraße „über Sooden nach Witzenhausen" ist dokumentiert.46 Wer zwischen Witzenhausen und Eschwege reiste, kam durch diesen Ort. Und ein Umweg ist Allendorf auch für jemanden nicht, der von Dessau nach Frankfurt oder Worms wollte: Über das heutige Straßennetz gerechnet sind es Dessau–Frankfurt direkt 435 km, über Allendorf 434; Dessau–Worms 496 gegen 494. Die direkte Route ist die schnellere, nicht die kürzere.44

Was das nicht belegt

Verkehr am Ort ist etwas anderes als eine Fernstraße durch den Ort. Die großen Durchgangsstraßen liefen anderswo: die Via Regia Frankfurt–Leipzig über Vacha, rund 60 Kilometer südlich;40 die Langen Hessen über Waldkappel, rund 20 Kilometer südlich;41 die Leipziger Straße Kassel–Waldkappel–Wanfried und die Berliner Straße Kassel–Witzenhausen–Heiligenstadt, rund 11 Kilometer nördlich;42 der Hessenweg Mühlhausen–Wanfried–Eschwege–Kassel.43 Die kurhessischen Durchgangsstraßen liefen alle über Kassel.46 Allendorfs Verkehr war Werratal-Verkehr: Salz hinaus, Bremer Waren den Fluss herauf, Post zwischen Kassel und Erfurt, Geleit ins Eichsfeld. Die Talstraße „über Sooden nach Witzenhausen" wurde als Staatsstraße erst ab 1831 ausgebaut; um 1815 war der Verkehr abseits weniger Chausseen „noch ganz auf alte unausgebaute Wege angewiesen"46 — befahren wurden sie gleichwohl. Eine Straße Dessau–Worms über Allendorf kommt in keiner dieser Quellen vor; hier bricht das Wort „nachweisbar". Müllers belegte Wege — 1826 durch das Vogtland, 1827 über Weimar — liegen in anderen Korridoren.449

Das Ergebnis, zugespitzt

Der Ort lag am Verkehr, aus dem Salz heraus: am Fluss, an der Talstraße, mit Post, Geleit, Stapel und Wegegeld. Das macht eine Durchreise Müllers möglich. Es belegt keine: Keine Quelle nennt ihn hier, keine seiner dokumentierten Routen führt durch das Werratal, und eine Fernstraße Dessau–Worms über Allendorf gibt es in den Quellen nicht. Möglich und belegt sind zwei verschiedene Dinge.

Was im Ort überliefert wird

Zwei Angaben sind im Ort in Umlauf, die in der Literatur nicht vorkommen — Überlieferung ohne Nachweis. Die erste: Von der Quelle am Zinnberg soll schon früh eine knapp 1.000 Meter lange Holzleitung zu dieser Stelle gelegt worden sein, weil dort das weichste Wasser der Umgebung entspringt. Die zweite: Am Brunnen sollen Kutschen gehalten haben, um die Pferde zu tränken, und Fahrgäste sollen dort von der Handelsstraße Dessau–Worms auf die zwischen Frankfurt und Lübeck umgestiegen sein.

Für beides haben wir keinen Beleg gefunden. Die zweite Angabe passt in einem Punkt zu Wagner — Posten liefen durch den Ort, Diligencen ab den 1820er Jahren51 — und widerspricht ihm in einem anderen: Die Post lief Kassel–Erfurt, nicht Dessau–Worms. Beide Angaben sind prüfbar — in den städtischen Rechnungen und Ratsprotokollen, in den kurhessischen Postunterlagen.

Das Motiv: warum kein Ort nötig ist

Der Verein stützt seinen Anspruch in der klügsten Fassung auf die Konstellation: „Die Konstellation, wo der Brunnen mit der Linde und das Tor so eng beieinander liegen, ist wohl nur hier bei uns so gegeben."1 Das ist ein ernstzunehmendes Argument — nur trifft es auf eine Schwierigkeit. Linde und Brunnen als Herzstück einer Siedlung sind „ein schon lange vor dem 19. Jahrhundert vorhandenes reales Motiv",3 und zugleich ein Märchenmotiv: Im Froschkönig heißt es „in dem Walde unter einer alten Linde war ein Brunnen".47 Müller brauchte keinen bestimmten Ort für dieses Bild; er brauchte die Bilderwelt seiner Zeit. Dazu kommt: Müllers Lindenbaum ist kein Ortsbild, sondern ein Erinnerungsbild. Wer das schreibt, braucht keine Anschauung, sondern einen Verlust, und den hatte Müller: Seine unglückliche Liebe zu Luise Hensel ist die biografische Schicht, aus der die Winterreise kommt.34 Allendorf ist ein gutes Beispiel für das Motiv. Zum Vorbild macht es den Ort nicht.

Comicseite in vier Bildern: ein junger Mann betrachtet den Brunnen unter der Linde, trinkt aus dem Auslaufrohr und geht nachdenklich davon
Eine Seite aus der Graphic Novel Der Lindenbaum: ein Besucher am Zimmersbrunnen — gezeichnet nach dem Platz, wie er heute dasteht. Aus: Der Lindenbaum, Graphic Novel · Martin Schülbe Verlag · Abdruck mit Genehmigung · Alle Bildnachweise

Diese Zeichnung zeigt den Platz von heute. Linde und Tor standen hier, als das Gedicht gedruckt wurde; ob Wasser, ist offen. Jünger ist die Ausstattung auf dem Blatt: der Brunnenstock seit 1854;162 das geleitete Quellwasser seit 1827;12 die Linde von 1914, deren Vorgängerin in Müllers Zeit ein alter Baum gewesen sein dürfte;1 der Torbogen von 1997, während der engere Torbau bis 1828 stand.112 Wer das heutige Bild für das von 1823 nimmt, behauptet zu viel. Wer aus dem Alter der Ausstattung schließt, es habe damals nichts gegeben, behauptet ebenfalls mehr, als belegt ist. Ein Bild des Platzes von 1823 gibt es nicht.

Bilanz in vier Stufen

Diese Seite unterscheidet, was in einer Quelle steht, von dem, was man aus Quellen erschließen muss. Beides ist etwas wert, aber nicht dasselbe.

Bezeugt — eine Quelle sagt es

  • Das Gedicht erschien in der Urania auf das Jahr 1823.5
  • Das Tor stand 1823: Sein Torbau wurde erst 1828 abgebrochen. Der Platz davor war ein öffentlicher Platz außerhalb der Mauer, an der damaligen Straße nach Eschwege.121
  • Die Linde stand 1827 „vor dem Steinthor", und der Baum, der 1912 fiel, wird als mehrere hundert Jahre alt beschrieben.121
  • Das geleitete Quellwasser kam 1827, der heutige Brunnenstock 1854, der heutige Torbogen 1997.12161
  • Der Ort lag am Verkehr: Wagner belegt Wegegeld von jedem passierenden Frachtkarren, Geleit ins Eichsfeld, 25 Salzführer (1624), das Stapelrecht (1649), Speditionshandel mit Bremer Waren im frühen 19. Jahrhundert und die reitende Post Kassel–Erfurt.51
  • Die Fernstraßen liefen über Vacha, Waldkappel, Wanfried und Witzenhausen; die Talstraße durch Sooden wurde erst ab 1831 ausgebaut.40414246
  • Müllers Rheinreise fand 1827 statt, mit Rückweg über Weimar.4
  • Am 17. Mai 1912 brachte die Fuldaer Zeitung die Zuschreibung an Müller; am 26. Mai 1912 widersprach der Werra-Bote.1622
  • Das Forstbotanische Merkbuch von 1905 kennt die Linde vor dem Steintor nicht.19

Eine Einschränkung, die für diese ganze Bilanz gilt

Fast die gesamte Überlieferung zu 1912 und die Datierung 1854 kennen wir über zwei Stationen: aus dem Wikipedia-Artikel, der sich dafür auf den Aufsatz von Frank Seiß stützt, den wir selbst nicht gelesen haben.116 Beide „Beine" unseres Apparats sind an diesen Stellen dasselbe Bein. Wer Seiß im Original aufschlägt, prüft das Fundament.

Erschlossen — keine Quelle sagt es, es folgt aber

  • Dass das Gedicht im Herbst 1822 ausgeliefert wurde. Taschenbücher „auf das Jahr 1823" erschienen üblicherweise im Herbst 1822; für diesen Band ist das Datum nicht belegt.3
  • Dass die Linde 1823 stand und schon alt war. Bezeugt ist sie für 1827 und als alter Baum für 1912; ein Pflanzjahr ist nicht bezeugt.121
  • Dass die Fernstraßen elf bis sechzig Kilometer entfernt vorbeiliefen. Die Verläufe sind bezeugt, die Abstände sind eigene Rechnung.44
  • Dass die Zuschreibung 1912 zum ersten Mal auftaucht. Belegt ist die Meldung vom 17. Mai 1912; eine frühere kennen weder wir noch die erreichbare Literatur. „Erstmals" behauptet die Vollständigkeit einer Suche, die nicht wir geführt haben.16
  • Dass Müllers Tagebücher und Briefe von 1903 keinen Ort dieser Gegend nennen. Das ist unser eigener Befund aus einer gegengeprüften Suche, kein Zeugnis einer Quelle.49

Warum das getrennt steht: Ein Schluss ist kein Zeugnis. Diese Seite wirft der Bronzetafel vor, im Indikativ zu formulieren, was unbelegt ist — dann darf sie es selbst nicht tun.

Nicht belegt

  • Dass Müller hier war, durchgereist ist, den Ort gekannt oder das Gedicht hier geschrieben hat. Die Wilhelm-Müller-Gesellschaft kennt weder Aufenthalt noch Durchreise.1
  • Die „häufigen Reisen zwischen Dessau und Worms". Worms kommt in keiner Quelle zu Müller vor.43233
  • Eine Fernstraße Dessau–Worms über Allendorf. Verkehr durch den Ort ist bezeugt; diese Straße ist es nicht.4642
  • Die hölzerne Wasserleitung und die Umsteigestelle.
  • Das Alter der alten Linde — 1218, 1229, 650 Jahre: alles unbelegt.18
  • Die Gastwirtschaft „Zur grünen Linde" vor 1895.48

Nicht widerlegt

Dass an diesem Platz schon vor 1827 Wasser geholt wurde. Keine Quelle sagt es, keine sagt das Gegenteil. Für die Annahme spricht, was dort nachweislich war: ein öffentlicher Platz mit einer alten Linde — Bäume dieser Art stehen an Plätzen, nicht im Nichts —, ein Stadttor mit Fuhrwerken und Zugtieren, eine Hirtenwohnung im Torbau, Wegegeld von jedem passierenden Frachtkarren, und eine Stadt, für die seit 1582 „fließendes Wasser fast durch alle Straßen" der Normalzustand war.1251 Dagegen steht, dass Wagner die Zuleitung 1827 als Verdienst rühmt, dass die Angabe von 1854 „errichtet" zulässt und dass der Werra-Bote 1912 vor 1827 keinen quellenden Brunnen kannte.1622 Ein wasserloser Platz vor einem Stadttor wäre erklärungsbedürftig; die Gegenannahme ist also die unwahrscheinlichere. Belegt ist keine von beiden.

Dass Müller zufällig vorbeikam. Der Ort lag am Verkehr und ist auf der Linie Dessau–Frankfurt kein Umweg. Ausgeschlossen ist das nicht. Nur liegen Müllers dokumentierte Wege anderswo, und „nicht ausgeschlossen" ist keine Grundlage für eine Gedenktafel im Indikativ.

Warum wir die Sage dennoch erzählen

Weil sie seit 1912 erzählt wird, länger als die heutige Linde steht; das Ensemble ist Kulturdenkmal auch ohne Müller.1 Und weil die zweite Geschichte die bessere ist: dass am 12. Mai 1912 ein alter Baum umfiel und sich daraus binnen Tagen eine Meldung, binnen Wochen eine überregionale Gewissheit formte, die in der eigenen Lokalzeitung bestritten und trotzdem nie wieder eingeholt wurde. Wer wissen will, wie Überlieferung entsteht, muss nicht ins Mittelalter. Es genügt dieser Brunnen.

Offene Fragen

Erstens: Wie sah die Stelle vor 1827 aus? Wagner beschreibt die Zuleitung samt Kosten, aber nicht, was vorher unter der Linde stand. Weiter führen nur die Stadtratsprotokolle und die städtischen Rechnungen.1216

Zweitens: Hielt die Post in Allendorf? Wagner belegt die reitende Post Kassel–Erfurt durch den Ort und Diligencen ab den 1820er Jahren.51 Ob es am Steintor eine Pferdewechsel- oder Umsteigestelle gab, müssten die kurhessischen Postunterlagen zeigen.

Drittens: Was steht in Müllers vollständigen Tagebüchern? Band 5 der Leistner-Ausgabe (1994) ist nicht digitalisiert; dazu die Biographie von Erika von Borries, Wilhelm Müller. Der Dichter der Winterreise.34

Viertens: der Aufsatz von Frank Seiß, Stand da ein Lindenbaum? (Kultur Report 2025), die jüngste Untersuchung der Frage; wir kennen ihn nur aus zweiter Hand.16

Wer eine dieser Fragen beantworten kann — oder einen Beleg kennt, den wir nicht haben: schreiben Sie uns. Wir ändern die Seite gern. Wer mitsuchen will, ist willkommen.

Zur Arbeitsweise dieser Seite

Die wichtigste Quelle — und wo Sie sie selbst nachlesen können

Fast alles, was über den Zustand des Platzes vor 1912 gesagt werden kann, steht in einem einzigen Buch: Johann Georg Wagner, Geschichte der Stadt Allendorf an der Werra und der Saline Sooden, Marburg 1865. Wir haben es Seite für Seite am Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek gelesen. Der vollständige, gemeinfreie Volltext liegt auf salzbibel.de ↗; zu Buch und Verfasser siehe unsere Seite Wagner 1865.

Was wir selbst gelesen haben und was wir nur aus dem Nachweisapparat anderer kennen („zitiert nach"), steht bei jedem Nachweis. Eigene Rechnung sind die Entfernungsangaben und die Volltextsuche. Nicht erreichbar waren der Aufsatz von Seiß, die Leistner-Ausgabe und historische Postkurskarten um 1820.

Stand dieser Seite: 1. Oktober 2026. 42 Nachweise, 8 Abbildungen. Die Bilanz unterscheidet vier Stufen: bezeugt, erschlossen, nicht belegt, nicht widerlegt.

Nachweise

  1. ↑ Wikipedia: Linde am Brunnen vor dem Tore. Der Artikel ist mit 44 Einzelnachweisen ungewöhnlich dicht belegt und ist die Grundlage für den Großteil der hier referierten Literatur. Abgerufen am 1. Oktober 2026.
  2. ↑ Peer Zietz: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Hessen. Werra-Meißner-Kreis III, Altkreis Witzenhausen. Hrsg. vom Landesamt für Denkmalpflege, Vieweg, Braunschweig/Wiesbaden 1995, S. 163. — Nicht im Original eingesehen; zitiert nach Wikipedia: Linde am Brunnen vor dem Tore.
  3. ↑ Wikipedia: Am Brunnen vor dem Tore. Abgerufen am 1. Oktober 2026.
  4. ↑ Internationale Wilhelm-Müller-Gesellschaft, Dessau: Zeittafel zu Leben und Werk, wilhelm-mueller-gesellschaft.de (ältere Fassung der Website; die aktuelle liefert einen Fehler). Abgerufen am 1. Oktober 2026.
  5. ↑ Urania. Taschenbuch auf das Jahr 1823. Neue Folge, fünfter Jahrgang. Brockhaus, Leipzig 1823, S. 207–222, darin Der Lindenbaum S. 214 f. Digitalisat bei den Münchener Digitalen Sammlungen; Angaben nach Wikipedia: Am Brunnen vor dem Tore.
  6. ↑ Wilhelm Müller: Gedichte aus den hinterlassenen Papieren eines reisenden Waldhornisten. Zweites Bändchen, Christian Georg Ackermann, Dessau 1824. Angaben nach Wikipedia: Am Brunnen vor dem Tore und der Bibliographie der Wilhelm-Müller-Gesellschaft, wilhelm-mueller-gesellschaft.de.
  7. ↑ Angaben nach Wikipedia (englisch): Winterreise und den Digitalisaten der Erstausgabe bei IMSLP. Abgerufen am 1. Oktober 2026.
  8. ↑ Friedrich Silcher: Volkslieder, gesammelt und für vier Männerstimmen gesetzt, Heft VIII, 1846. Die zwölf Hefte erschienen zwischen 1826 und 1860. Angaben und Zitat nach Wikipedia: Am Brunnen vor dem Tore.
  9. ↑ G. Wagner: Geschichte der Stadt Allendorf an der Werra und der Saline Sooden. Akademische Buchdruckerei, Marburg 1865. Darin: § 113, S. 99 (doppelte Mauer, sieben Türme, drei Tore; die Tore „theils mit Gefängnissen, theils mit Wohnungen … überbaut"; der Platz am Steinthor heißt „der Plan"); § 139 mit Anm. 1, S. 111 (Abbruch des Torbaus im Steinthor nebst Hirtenwohnung 1828, Brückenturm 1829, Wahlhäuser Tor 1830); §§ 145–148, S. 116 (fließendes Wasser in fast allen Straßen, Leitung aus dem Altenhayn von 1582, fünfzehn öffentliche Brunnen oder „Zaitenstöcke", der Kumpf am Markt); § 149, S. 116 f. (Zimmersbrunnen, Zuleitung 1827 für 496 Thaler 2 Albus 4 Heller). — Im Original eingesehen: Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München, bsb10021974, vollständig durchgesehen; gemeinfreier Volltext auf salzbibel.de. Zum Buch und seinem Verfasser: Wagner 1865. Die Zitate folgen der automatischen Texterkennung des Frakturdrucks und sind an den Seitenbildern geprüft.
  10. ↑ Manfred Lückert: Bad Sooden-Allendorf in alten Ansichten, Band 1. Europäische Bibliothek, Zaltbommel 1977, Anmerkung zu Bild Nr. 54 bzw. 55. — Nicht im Original eingesehen; zitiert nach Wikipedia: Linde am Brunnen vor dem Tore.
  11. ↑ Herleitung der Namen Zimmersbrunnen und Zimmersweg aus Zinnbornsbrunnen und Zinnbornsweg sowie die Lage der Quelle am Zinnberg nach Wikipedia: Linde am Brunnen vor dem Tore. — Bei Wagner 1865 steht diese Herleitung nicht: er nennt den Namen Zimmersbrunnen und lässt die Quelle „am Klausberge (Kreuzberge)" entspringen (§ 149), ohne sie zu deuten. Welchem Beleg die Wikipedia folgt, konnten wir nicht prüfen.
  12. ↑ Frank Seiß: Stand da ein Lindenbaum? Wie Allendorf zu seinem Brunnen vor dem Tore kam. In: Kultur Report, Stiftung Mitteldeutscher Kulturrat, ISSN 0948-2288, Heft 2025, S. 36–40. Die derzeit jüngste Untersuchung der Frage. — Nicht eingesehen; der Band ist nur als Gesamt-PDF verfügbar, der Aufsatz nicht einzeln. Wir kennen ihn über die Einzelnachweise in Wikipedia: Linde am Brunnen vor dem Tore.
  13. ↑ Angaben nach Wikipedia: Linde am Brunnen vor dem Tore; dort nachgewiesen über die Presseberichte vom Mai 1912 und über Manfred Lückert: Bad Sooden-Allendorf in alten Ansichten, Band 2, Zaltbommel 1990, Anmerkung zu Bild Nr. 44.
  14. ↑ Stadt Bad Sooden-Allendorf: Reisejournal 2026, PDF („eine Linde von 1218"); dagegen werratal.de („von 1229"). Beide Jahreszahlen sind unbelegt. Abgerufen am 1. Oktober 2026.
  15. ↑ Forstbotanisches Merkbuch. Nachweis der beachtenswerten und zu schützenden urwüchsigen Sträucher, Bäume und Bestände im Königreich Preussen. III. Provinz Hessen-Nassau. Gebrüder Borntraeger, Berlin 1905, S. 155. — Nicht im Original eingesehen; zitiert nach Wikipedia: Linde am Brunnen vor dem Tore, dort mit Digitalisat-Hinweis.
  16. ↑ Die Gartenlaube, Heft 24/1912, S. 514 f. — Nicht im Original eingesehen; zitiert nach Wikipedia: Linde am Brunnen vor dem Tore.
  17. ↑ Werra-Bote, Allendorf, 26. Mai 1912. — Nicht im Original eingesehen; Wortlaut zitiert nach Frank Seiß (wie oben), hier S. 38, über Wikipedia: Linde am Brunnen vor dem Tore.
  18. ↑ Otto Erich Deutsch: Schuberts Schöne Müllerin und die Sage von der Höldrichsmühle. In: ders.: Wiener Musikgeschichten. Wien 1993, S. 89–104. Postum erschienene Sammlung; der Aufsatz selbst stammt aus Deutschs Auseinandersetzung mit der Höldrichsmühle vor 1917, sein Erstdruck ist uns nicht bekannt. — Nicht im Original eingesehen; zitiert nach Wikipedia: Linde am Brunnen vor dem Tore.
  19. ↑ Otto Erich Deutsch: Franz Schubert. Sein Leben in Bildern. 1913, S. 549 (nach anderer Zählung S. 548). — Nicht im Original eingesehen; zitiert nach Wikipedia: Linde am Brunnen vor dem Tore; ein Digitalisat liegt bei archive.org.
  20. ↑ Otto Erich Deutsch, Beitrag im Jahrbuch des Schubertbunds 1915, verändert im Alt-Wiener Kalender 1917. — Nicht im Original eingesehen; Wortlaut zitiert nach Wikipedia: Linde am Brunnen vor dem Tore.
  21. ↑ Jörg von Uthmann in: Marcel Reich-Ranicki (Hrsg.): Frankfurter Anthologie, Band 4, 1979. — Nicht im Original eingesehen; Wortlaut zitiert nach Wikipedia: Linde am Brunnen vor dem Tore.
  22. ↑ Ian Bostridge: Schubert's Winter Journey. Anatomy of an Obsession. Knopf, New York 2015, S. 112. — Nicht im Original eingesehen; zitiert nach Wikipedia: Linde am Brunnen vor dem Tore.
  23. ↑ Stadt Bad Sooden-Allendorf: Reisejournal 2026 (PDF, wie oben); Deutsche Märchenstraße: Bad Sooden-Allendorf. Abgerufen am 1. Oktober 2026.
  24. ↑ Grundschule „Am Brunnen vor dem Tore", Bad Sooden-Allendorf. Abgerufen am 1. Oktober 2026.
  25. ↑ Hotel Höldrichsmühle, Hinterbrühl, eigene Darstellung. Abgerufen am 1. Oktober 2026.
  26. ↑ Deutsche Biographie: Müller, Wilhelm (ADB/NDB). Abgerufen am 1. Oktober 2026.
  27. ↑ Biographie Wilhelm Müllers bei Zeno.org. Abgerufen am 1. Oktober 2026.
  28. ↑ Wikipedia: Wilhelm Müller (Dichter). Abgerufen am 1. Oktober 2026.
  29. ↑ Radio Prag International: „Perlen des Dichters Brust" — Wilhelm Müller in Franzensbad. Abgerufen am 1. Oktober 2026.
  30. ↑ comdeg.eu: Wilhelm Müller — Portal zur deutsch-griechischen Verflechtungsgeschichte, zu Müllers Philhellenismus und seinen Kontakten. Abgerufen am 1. Oktober 2026.
  31. ↑ Philip Schuyler Allen und James Taft Hatfield (Hrsg.): Diary and Letters of Wilhelm Müller. With Explanatory Notes and a Biographical Index. University of Chicago Press, Chicago 1903. Digitalisat: archive.org; weitere Exemplare bei HathiTrust und in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek Weimar. Im Internet Archive liegt davon eine Digitalisierung (Kennung bub_gb_7o8FAQAAIAAJ, Google-Scan eines Exemplars der University of California, Berkeley). Ihr erkannter Volltext umfasst rund 294.000 Zeichen in der Rohfassung, 250.793 nach Normalisierung der Leerzeichen — es sind dieselben Daten, zweimal gemessen, nicht zwei Digitalisierungen. Rund 32.000 Zeichen davon sind Anmerkungsteil und Index in Antiqua. Abgerufen am 1. Oktober 2026.
  32. ↑ Maria-Verena Leistner (Hrsg.): Wilhelm Müller: Werke, Tagebücher, Briefe. 5 Bände und Registerband, Gatza, Berlin 1994; Band 5 enthält Tagebücher und Briefe. Nachgewiesen in der Bibliographie der Wilhelm-Müller-Gesellschaft; nicht digitalisiert, von uns nicht eingesehen.
  33. ↑ Wikipedia: Via Regia; ausführlich altstrassen-in-hessen.de und via-regia.org: Die Via Regia der Voreisenbahnzeit. Abgerufen am 1. Oktober 2026.
  34. ↑ Wikipedia: Kurze Hessen (behandelt auch die Langen Hessen); dazu via-regia.org: Die alte Handelsstraße Frankfurt–Leipzig (PDF). Abgerufen am 1. Oktober 2026.
  35. ↑ Regierungspräsidium Kassel: Geschichte des Personennahverkehrs im Regierungsbezirk Kassel von 1815 bis zur Gegenwart (PDF). Dort Leipziger, Berliner und Nürnberger Straße im Wortlaut. Abgerufen am 1. Oktober 2026.
  36. ↑ altwege.de: Mittelalterliche Handelswege in Thüringen und Sachsen — dort der Hessenweg und die Umladung in Wanfried. Abgerufen am 1. Oktober 2026.
  37. ↑ Eigene Berechnung über einen Routendienst auf Grundlage des heutigen Straßennetzes (OSRM/OpenStreetMap). Das ist eine Plausibilitätsprüfung der Geografie, keine Aussage über historische Wege — die Trassen von 1820 waren andere. Die Luftlinien-Abstände sind ebenfalls eigene Rechnung.
  38. ↑ Staatsstraßen und Verkehrspolitik in Kurhessen von 1815 bis 1866 (PDF). Dort die Allendorfer bzw. Niederhoner Straße und ihr Ausbau ab 1831. Abgerufen am 1. Oktober 2026.
  39. ↑ Brüder Grimm: Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich, Kinder- und Hausmärchen Nr. 1. Zitiert nach Wikipedia: Am Brunnen vor dem Tore, wo die Stelle im Zusammenhang des Motivs angeführt wird.
  40. ↑ Wagner 1865 (wie Anm. 12), § 120, S. 103 (acht Wein- und Branntwein-Schenker) und § 159, S. 122 (Bierbrauerei durch eine „geschlossene Gesellschaft von Bürgern", 217 Brauloose, Verzapfen im eigenen Haus, höchstens zwei Bierzeichen). — Im Original eingesehen. Ein Gasthaus „Zur grünen Linde" wird in Wagners Aufzählung nicht genannt; das ist ein Schweigen der Quelle, kein Beweis.
  41. ↑ Alle Auszählungen, Verlesungsbefunde und Briefstellen dieses Abschnitts beruhen auf dem in Anm. 38 genannten Digitalisat — es ist das einzige im Internet Archive. Der Brief aus Franzensbrunn ist an Müllers Frau Adelheid gerichtet; die Routenangaben stehen in zwei Briefen aus Franzensbad vom Sommer 1826. Die Lesung folgt dem erkannten Frakturtext; Ortsnamen sind dort in Antiqua gesetzt und deshalb zuverlässig, der übrige Wortlaut ist am Seitenbild zu prüfen.
  42. ↑ Wagner 1865 (wie Anm. 12), zum Verkehr: § 64, S. 55 ff. (Wallenstein 1625, Tilly 1626 im Werratal); § 113, S. 99 (Türme „zur Erleichterung des Verkehrs" abgebrochen); § 120, S. 102–104 (Gewerbetreibende 1624: 6 Fuhrleute, 25 Salzführer, 6 Salzträger, 4 Schiffer); § 140, S. 111 (Wegegeld an den Werrabrücken); § 154, S. 119 (reitende Post Kassel–Witzenhausen–Allendorf–Eschwege–Wanfried–Mühlhausen–Erfurt, Diligencen Witzenhausen–Wanfried seit den 1820er Jahren; nach der „Vorbeschreibung zum Steuer-Kataster", deren Datum Wagner nicht nennt); § 172, S. 128 (Wegegeld von jedem passierenden Frachtkarren); § 174, S. 130 (Stapelrecht vom 12. November 1649); § 210, S. 157 (Geleit auf Ober- und Unterstraße, Grenzberichtigung 1583); § 212, S. 158 (Speditionshandel mit „Bremer Waaren"). — Im Original eingesehen; Zitate nach dem Volltext auf salzbibel.de, an den Seitenbildern geprüft.