Woher die Namen kommen
Bad, Sooden, Allendorf — drei Namen, drei Geschichten. Eine davon ist ein Irrtum, den Johannes Rhenanus 1586 in die Welt gesetzt hat und der sich bis heute hält.
Ortsnamen sind die ältesten Dokumente einer Stadt. Sie werden weitergegeben, lange bevor jemand etwas aufschreibt, und sie überstehen Sprachwandel, Zerstörung und Namenswechsel der Herrschaft. Man muss sie nur lesen können — und dabei geht regelmäßig etwas schief, weil ein Name im Mund der Leute anders klingt als in der Urkunde.
Bei Bad Sooden-Allendorf lässt sich das an einem Fall zeigen, der gut dokumentiert ist: Johannes Rhenanus, Pfarrer und Salzgraf, hat 1586 im ersten Buch seiner Salzbibel eine Herleitung des Namens Allendorf aufgeschrieben. Sie ist falsch. Aber sie ist so sorgfältig begründet, dass sich an ihr zeigen lässt, wie Namenforschung geht und woran sie scheitert.
Was Rhenanus 1586 schreibt
Am Ende des ersten Buches, nachdem er über die Grenzen der Chatten, den Berg Melibocus und die Salzschlacht geschrieben hat, kommt Rhenanus auf die Namen zu sprechen. Beim Salzwerk macht er es kurz:
Im Wortlaut„Woher aber das Salzwerck, den nahmenn Sodenn bekommenn, darff nicht vielets nachdennckenns, denn der nahme gibts ann sich selbst, das es vom Siedenn, Sodenn genennet wordenn.“
HeuteWoher aber das Salzwerk den Namen Sooden bekommen hat, darüber muss man nicht lange nachdenken, denn der Name sagt es von selbst: dass es vom Sieden „Sooden“ genannt worden ist.
Bei der Stadt wird es schwieriger. Er kennt eine verbreitete Erklärung und verwirft sie: Man sage, beim Hain hätten drei Dörfer gelegen, die später zusammengebaut worden seien, daher Alleindorf. Das, schreibt er, „stimpts doch aus volgendem vhrsachenn, gar nicht vberein“ (heute: das stimmt aus den folgenden Gründen überhaupt nicht) — denn ringsum seien nur Steinklippen, dort hätten allenfalls „arme Holzhauer und Kohlenmacher“ gewohnt, aus denen niemals eine so ansehnliche Stadt hätte werden können. An den Stellen mit den Mauerresten hätten vielmehr heidnische, später katholische Wallfahrten stattgefunden.
Und dann sein eigener Vorschlag:
Im Wortlaut„Darumb las Ich diese thörecht vngegrundte meinung fahrenn, vnnd will mit dem M. Petro Nigidio seligen, der aus Allenndorff burttig, vnnd zu Marpurgk ein Professor gewesenn, vnnd dem Schoppero bleiben, vnnd mitt Ihnenn die Stadt Hallenndorff, vom Salz, gleich wie Hall in Sachssenn, Hall in Schwabenn, nennenn.“
HeuteDarum lasse ich diese törichte, unbegründete Meinung fallen und will es mit dem seligen Magister Petrus Nigidius halten, der aus Allendorf gebürtig und in Marburg Professor gewesen ist, und mit Schopper — und die Stadt mit ihnen Hallendorf nennen, nach dem Salz, so wie Hall in Sachsen und Hall in Schwaben.
Das fehlende H erklärt er damit, dass man es „vor wenigen Jahren“ wegzulassen pflegte. Er beruft sich auf zwei Gewährsleute: Petrus Nigidius (1501–1583), gebürtiger Allendorfer und Professor in Marburg, und Hartmann Schopper, einen neulateinischen Dichter aus der Oberpfalz.
Sie erklärt beide Ortsteile aus derselben Sache. Sooden vom Sieden, Allendorf vom Salz — die ganze Doppelstadt wäre dann nach ihrem Gewerbe benannt. Für einen Salzgrafen, der zugleich beweisen will, dass sein Salzwerk uralt ist, ist das eine sehr befriedigende Lösung. Genau deshalb sollte man misstrauisch werden.
Allendorf: „zu dem alten Dorfe“
Die Namenforschung ist sich hier einig, und der Grund dafür sind nicht Argumente, sondern Urkunden. Der Name ist seit 1218 belegt, und in den ersten fünfhundert Jahren steht in keinem einzigen Beleg ein H — dafür in allen ein D:
| Jahr | Namensform |
|---|---|
| 1218 | in Aldendorf |
| 1229 | de Oldendorp |
| 1248 | Aldendorp |
| 1258 | Oldenthorpe |
| 1262 | de Aldindorf |
| 1291 | Aldendorf |
| 1295 | in Aldendorph |
| 1332 | in Aldendorf |
| 1385 | czu Aldendurff |
| 1469 | Aldindorf |
| 1488 | Aldindorf an der Werre |
| 1655 | Allendorff an der Werra |
| 1708/10 | Allendorf |
Belegreihe nach dem Historischen Ortslexikon Hessen (LAGIS); die mittelalterlichen Formen überwiegend nach W. A. Eckhardt, Quellen zur Rechtsgeschichte der Stadt Allendorf an der Werra und des Salzwerks Sooden, Marburg 2007. Die Form von 1655 nach Zeiller/Merian, Topographia Hassiae; die von 1708/10 nach der Landesaufnahme Schleensteins.
Was da steht, ist durchsichtig: alden dorfe. Der Name ist kein Kompositum aus zwei Wörtern, sondern eine erstarrte Ortsangabe — aus mittelhochdeutsch ze dem alden dorfe ist im Lauf der Zeit ein Wort geworden. Das -en- in der Mitte ist keine Fuge, sondern die Endung des schwach gebeugten Adjektivs im Dativ. Wörtlich also: bei dem alten Dorf.
Der Wechsel zwischen Alden- und Olden- in denselben Jahrzehnten ist dabei kein Schreibfehler, sondern ein Sprachgrenzenphänomen: hochdeutsch alt, niederdeutsch old. Bad Sooden-Allendorf liegt nah an dieser Grenze, und die Schreiber übersetzten das Wort je nach Herkunft. Genau das zeigt, dass die Leute den Namen verstanden — man übersetzt nur, was man für ein bedeutungsvolles Wort hält.
Das doppelte ll der heutigen Form ist jung. Es entsteht durch Assimilation: Die Lautfolge ld gleicht sich zu ll an, wenn niemand mehr an „alt“ denkt. In den Urkunden taucht die Form erst im 17. Jahrhundert auf.
Allendorf, Altendorf und das niederdeutsche Oldendorf sind einer der häufigsten deutschen Ortsnamen überhaupt — allein in Deutschland gibt es Dutzende, dazu Belege in Österreich, der Schweiz, Polen, Tschechien und Slowenien. Die allermeisten liegen weit von jeder Salzquelle entfernt. Ein Name, der überall aus alt + Dorf entsteht, wird kaum ausgerechnet an der Werra aus etwas anderem entstanden sein.
Bleibt die Frage, welches Dorf das „alte“ war. Darauf gibt es keine sichere Antwort. Der Name setzt voraus, dass es ein neueres gab — sonst hätte die Unterscheidung keinen Sinn. Ein naheliegender Kandidat ist die Siedlung, die vor der Stadtgründung bestand; die Stadt Allendorf erhielt ihre Rechte im frühen 13. Jahrhundert, und der erste Namensbeleg fällt genau in diese Zeit.
Warum Hallendorf ausgeschlossen ist
Rhenanus’ Herleitung scheitert nicht an einer, sondern an drei voneinander unabhängigen Stellen. Jede einzelne würde genügen.
- Das H verschwindet nicht. Ein h vor einem Vokal bleibt im Deutschen erhalten — im Althochdeutschen, im Mittelhochdeutschen und im Niederdeutschen. Es gibt keinen Lautwandel, der Hall- zu All- werden ließe. Man sieht es an den Hall-Orten selbst: Halle an der Saale ist seit 806 belegt, Bad Reichenhall seit dem 8. Jahrhundert, Schwäbisch Hall seit 1190 — und alle haben ihr H bis heute behalten.
- Das D ist da. Sämtliche mittelalterlichen Belege haben einen Dental in der Mitte: Aldendorf, Oldendorp, Aldindorf. Das Salzwort hall hat nie einen Dental gehabt. Das ll, auf das Rhenanus seine Deutung baut, ist erst nach seiner Zeit allgemein üblich geworden.
- Der Wechsel a/o verrät die Bedeutung. Dass die Schreiber zwischen Alden- und Olden- hin- und herwechseln, ist genau der Wechsel, den das Wort „alt“ zwischen Hoch- und Niederdeutsch macht. Für hall gibt es diesen Wechsel nicht.
Rhenanus argumentiert also rückwärts: von der Aussprache seiner eigenen Zeit auf einen Ursprung, der siebenhundert Jahre zurückliegt. Das ist die klassische Volksetymologie — und im 16. Jahrhundert die übliche Methode, weil noch niemand auf die Idee gekommen war, dass Sprache regelhaft und nachvollziehbar altert.
Im zweiten Teil desselben Buches schreibt Rhenanus die Privilegien der Pfänner ab — Urkunden von 1300 bis 1488, also genau jene Dokumente, aus denen die Belegreihe oben stammt. In seinen Abschriften steht der Ortsname jedoch durchgehend Allenndorff, 43-mal, und kein einziges Mal Aldendorf. Er hat die Schreibung beim Kopieren stillschweigend modernisiert — und damit das einzige Zeugnis gelöscht, das ihn hätte eines Besseren belehren können.
Das ist ihm kaum vorzuwerfen. Buchstabengetreues Abschreiben war keine Tugend des 16. Jahrhunderts; man gab wieder, was gemeint war, nicht was dastand. Aber es ist ein lehrreicher Fall: Die Quelle, die eine Frage beantworten könnte, wird beim Abschreiben genau an der entscheidenden Stelle geglättet.
Das Salzwort hall — und warum es hier nicht passt
Rhenanus lag mit dem Wort selbst nicht daneben. Es gibt einen Wortstamm hall, und er hat wirklich mit Salz zu tun: Halle an der Saale, Schwäbisch Hall, Hall in Tirol, Bad Reichenhall, Hallein, Hallstatt, Bad Hall — alles Salzorte. Frühneuzeitliche Salzfachleute wussten das; Johann Thölde nannte sein Salzlehrbuch von 1603 Haliographia.
Woher der Stamm kommt, ist bis heute nicht endgültig geklärt. Lange galt er als keltisch. Diese Deutung wird in der neueren Forschung überwiegend abgelehnt, mit ziemlich handfesten Gründen: Das keltische Wort für Salz lautet nicht hal-, sondern rekonstruiert *saleyno- (kymrisch halen, irisch salann); der Lautwandel s zu h fand nur im Britannischen statt, nicht auf dem Festland; und die Hall-Orte fehlen ausgerechnet in Frankreich und Norditalien, also im alten keltischen Kernland.
Die derzeit am besten begründete Erklärung ist germanisch. Althochdeutsch hal(l) bedeutet nicht „Salz“, sondern die Stätte, an der Salz gewonnen wird — halhûs übersetzt in alten Glossaren das lateinische salina, und halasalz ist das aus Sole gesottene Salz im Unterschied zu Meersalz und Steinsalz. Der Stamm könnte auf ein Wort für die Salzkruste zurückgehen, die sich beim Sieden bildet.
Zur Kritik der keltischen Deutung: David Stifter, „Hallstatt — In eisenzeitlicher Tradition?“, in: Interpretierte Eisenzeiten, Linz 2005. Eine konkurrierende Herleitung aus Halde hat Jürgen Udolph 1999 vorgeschlagen.
Für Bad Sooden-Allendorf ändert das nichts. Das Wort existiert — es steckt nur nicht in diesem Ortsnamen. Und man kann verstehen, warum ein Salzgraf es dort vermutete: Er kannte den Stamm, er kannte die Salzorte, die ihn tragen, und sein eigener Ort klang beinahe danach.
Sooden: „zu den Siedestellen“
Hier hat Rhenanus recht, und die Namenforschung bestätigt ihn: Sooden gehört zu sieden. Genauer gesagt zu einem alten Substantiv, das von diesem Verb abgeleitet ist — mittelniederdeutsch sōt, „Quelle, Brunnen, Brunnenschacht“, die Stelle, an der Wasser aufwallt. Dasselbe Wort steckt im Sodbrunnen. Daneben steht ein jüngeres, weibliches Sode für die Salzsiederei selbst.
Auch hier verrät die Belegreihe die Bildung:
| Jahr | Namensform |
|---|---|
| 1093 | in Sothen (Fälschung des 12. Jahrhunderts) |
| 1195 | in Sothe |
| 1284 | zu den Soden |
| 1295 | in Soden |
| 1300 | zo Soden |
| 1311 | ze Sodin |
| 1317 | in Zoden |
| 1392 | poben den Sodin |
| 1585 | Sodenn |
| 1708/10 | Die Sooden |
Belegreihe nach dem Historischen Ortslexikon Hessen (LAGIS). Die Form von 1585 stammt aus derselben Zeit wie die Salzbibel — Rhenanus selbst schreibt durchgehend Sodenn.
Zwei Dinge stehen darin. Erstens das th der ältesten Belege: Es bezeugt einen alten germanischen Reibelaut und passt genau zum Stamm von sieden. Zweitens, und das ist der schönere Befund, das „zu den“ von 1284 und das „poben den“ von 1392: Der Name steht im Dativ Plural. Der Ort heißt nicht „Sooden“, sondern eigentlich „bei den Siedestellen“ — Plural, weil es mehrere Solequellen und viele Pfannen gab.
Allendorf: ze dem alden dorfe — Dativ Singular.
Sooden: ze den soden — Dativ Plural.
Zwei Namen, dieselbe Bildung. Es sind keine Bezeichnungen, sondern Wegbeschreibungen, die zu Namen geworden sind. So entstehen sehr viele deutsche Ortsnamen: Jemand sagt, wo etwas liegt, und irgendwann ist die Auskunft der Name.
Dieselbe Herleitung gilt für die anderen Orte des Namens, und alle liegen an Salzquellen: Bad Soden am Taunus (1190 Soden), Bad Soden-Salmünster im Kinzigtal (1190 Sodin), Soden bei Sulzbach am Main.
Bemerkenswert ist noch der älteste Beleg. Die Ersterwähnung von 1093 ist selbst eine Fälschung des 12. Jahrhunderts — festgehalten im Ortslexikon, und ein Hinweis darauf, wie begehrt Rechtstitel an einem Salzwerk waren.
Westera: der Name vor den Namen
Vor Sooden und Allendorf steht ein dritter Name, und er ist der älteste: Westera. Unter diesem Namen wird der Ort zum ersten Mal überhaupt erwähnt, in einer Schenkung Karls des Großen an das Kloster Fulda. Der König übergibt Westera mit Salinen, Markt und Zoll; jede Woche soll ein Karren Salz an das Kloster gehen.
Die Namensformen der Überlieferung lauten de Westren, de Westrun, in Westera, de Westra, um 800 dann in Westari und 1192/1216 in Westra. Sie gehören zu germanisch *westar-, „westlich“ — und die Form Westrun ist wieder ein Dativ Plural. Der Ort hieß also sinngemäß „bei den Westlichen“. Dazu passt, dass das Ortslexikon Westera als Vorort der Westermark führt: Es ist ein Lagename, gegeben von jemandem, der weiter östlich saß.
Der Flussname Werra — bei Tacitus Visurgis, 775 Uiserra, 933 Viseraha, 1014 Werraha — geht auf eine indogermanische Wurzel für „fließen“ zurück; Werra und Weser sind dasselbe Wort und wurden erst neuhochdeutsch auseinandergehalten. Von Visur- führt kein Weg zu Wester-. Die Westerburg bei Sooden, deren Ruine Rhenanus erwähnt, trägt dagegen denselben Lagenamen — sie ist nicht die Quelle des Namens, sondern seine Schwester.
Wie sicher ist die Ersterwähnung?
Weniger sicher, als es in Festschriften meist klingt, und das sollte man wissen.
Die Urkunde ist undatiert. Das Historische Ortslexikon setzt sie auf 768/779 an — eine Spanne, keine Jahreszahl: irgendwann zwischen Karls Regierungsantritt und einem Endpunkt 779. In der Literatur und auf den Seiten der Stadt findet man dagegen häufig „zwischen 776 und 779“. Diese Abweichung ist bisher nicht aufgelöst.
Überliefert ist die Königsurkunde im Codex Eberhardi, einem Kopialbuch, das der Mönch Eberhard um 1150–1160 im Auftrag des Abtes von Fulda anlegte. Der Codex ist eine unentbehrliche Quelle — nach dem Verlust älterer Fuldaer Kopiare ist er für viele Urkunden die einzige. Er hat aber einen Ruf: Eberhard hat Urkunden nicht nur abgeschrieben, sondern gezielt verändert, um verlorenes Klostergut zurückfordern zu können. Die neuere Forschung hält große Teile der Sammlung für unbedenklich, stellt aber fest, dass sich die Fälschungen gerade bei Kaiser-, Königs- und Papsturkunden häufen.
Die Westera-Urkunde ist eine Königsurkunde. Sie fällt damit in die am stärksten belastete Gruppe. Das heißt nicht, dass sie gefälscht ist — es heißt, dass man ohne ein Urteil der Diplomatik nicht sagen sollte, der Ort sei „im Jahr 779 erstmals erwähnt“, als wäre das eine Tatsache wie ein Geburtsdatum.
Editionen: Urkundenbuch des Klosters Fulda, hg. von Edmund E. Stengel, Bd. 1, Nr. 140; Urkundenbuch der Reichsabtei Hersfeld 1,1 Nr. 38; W. A. Eckhardt, Quellen zur Rechtsgeschichte der Stadt Allendorf, Nr. 3. Zum Codex Eberhardi zuletzt die Ausgabe von Heinrich Meyer zu Ermgassen (1995–2009); zur Fuldaer Überlieferung in Thüringen Michael Gockel, Köln 2024.
In den bisher übertragenen 273 Seiten der Salzbibel kommt der Name kein einziges Mal vor. Rhenanus argumentiert für das hohe Alter des Salzwerks mit Tacitus, mit Karl dem Großen und mit Bonifatius — die Fuldaer Schenkung, die ihm den Beleg geliefert hätte, den er verzweifelt suchte, führt er nicht an. Sie lag in Fulda, und er kam nicht an sie heran.
Und das „Bad“
Der jüngste Namensteil ist der einfachste. Um 1826 bemerkten Arbeiter, dass warme Solebäder gut tun; 1881 wurde daraus ein Heilbad. Nachdem Hessen 1866 preußisch geworden war und das Salzmonopol fiel, wurde aus dem Kurbetrieb der wirtschaftliche Ersatz für die Saline, die um 1906 stillgelegt wurde.
Der Zusatz „Bad“ erscheint schon um 1890 im Gebrauch — das Ortslexikon verzeichnet Bad Sooden, um 1900 Bad Sooden-Werra. Amtlich wurde er erst mit dem Zusammenschluss: Am 1. Juli 1929 vereinigte eine Verfügung des Preußischen Staatsministeriums die Stadt Allendorf und die Gemeinde Sooden zu Bad Sooden-Allendorf.
Der heutige Name enthält damit drei Zeitschichten: eine mittelalterliche Ortsangabe im Dativ Plural, eine mittelalterliche Ortsangabe im Dativ Singular und ein Kurortsprädikat aus der Weimarer Republik.
Was offen bleibt
Diese Seite fasst zusammen, was sich aus zugänglichen Quellen belegen lässt. Vier Punkte bleiben ungeklärt, und wer sie klären kann, möge sich beim Verein melden.
- Die Datierung der Westera-Urkunde. 768/779 oder 776/779 — und wie beurteilen Stengel beziehungsweise Gockel ihre Echtheit?
- Die Schrift des Petrus Nigidius. Rhenanus beruft sich auf ihn, aber in welchem Werk leitet Nigidius Allendorf vom Salz her? Ein Werkverzeichnis war nicht zu ermitteln; Strieders Hessische Gelehrten- und Schriftsteller-Geschichte wäre der Ort zum Nachsehen.
- Die Stelle bei Hartmann Schopper. Auch hier ist unklar, welches Werk gemeint ist.
- Welches Dorf war das „alte“? Der Name setzt ein jüngeres voraus. Ob damit die Siedlung bei den Sooden, eine Wüstung oder die Stadtgründung des 13. Jahrhunderts gemeint ist, lässt sich aus den Namen allein nicht entscheiden.
Die offenen Punkte betreffen Einzelheiten, nicht den Befund. Dass Allendorf „zu dem alten Dorfe“ heißt und nicht „Salzdorf“, steht nicht deshalb fest, weil eine Autorität es sagt, sondern weil elf Urkunden aus drei Jahrhunderten alle dasselbe D enthalten und keine ein H. Das ist der Unterschied zwischen einer Meinung und einem Beleg — und Rhenanus, der am Ende seines ersten Buches selbst schreibt, er habe nur „Mutmaßungen, Meinungen und Bedenken“ vorgetragen, hätte ihn vermutlich als Erster anerkannt.
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